KLAR! Arlberg Stanzertal
Klimawandelfakten

Klimawandelfakten

Aktuelle Veränderungen durch den Klimawandel

Das Klima unserer Erde ändert sich, was auch in der KLAR! Arlberg Stanzertal zunehmend zu spüren ist. Bereits jetzt sind die durch den Klimawandel bedingten Veränderungen in der Region spürbar. Aufgrund der Topographie des Tales, das zur Gänze über 1000 m über dem Meeresspiegel liegt, ist vor allem eine Zunahme von Naturgefahren wie Lawinen, Muren und Hochwasser zu verzeichnen. In Erinnerung geblieben ist dabei das Hochwasser 2005, dass die Trisanna und Rosanna in wildbachähnliche Zustände versetzt und die Infrastruktur in der Region stark geschädigt hat, wobei Verkehrsanbindungen und Telefonnetze sowie die Stromversorgung unterbrochen wurden. 

Wie auch in anderen Regionen ist eine Zunahme von Extremwetterereignissen sowie eine Veränderung der Niederschlagsmuster zu verzeichnen, die besonders auf den Tourismus, aber auch auf die Land- und Forstwirtschaft eine Auswirkung haben. Auch biotische Waldschäden nehmen zu. Der Wald leistet besonders in der Region Stanzertal einen großen Beitrag als Schutz vor Lawinen und Erosion und große Teile des Waldes sind als Schutzwald kategorisiert.

Darüber hinaus fasst die folgende Abbildung die, im Stakeholderworkshop vom 8.9.2020, identifizierten Klimafolgen für die Aktivitätsfelder Naturgefahren, Katastrophenschutz, Raumplanung, Wasserhaushalt und Wasserwirtschaft, Gebäude und Energie zusammen:

Abbildung:  Zusammenfassung Klimafolgen für ausgewählte Aktivitätsfelder (Quelle: Energie Tirol, Klimabündnis Tirol, alpS).  

Zukünftige Entwicklungen

Der von Klimamodellen am besten abgebildete Parameter für den Klimawandel ist die Temperatur, deren Verlauf sich in den einzelnen Szenarien bis 2050 nicht markant unterscheidet. Der Grund dafür ist, dass das Klima träge reagiert und auch große Anstrengungen im Klimaschutz erst 20 bis 30 Jahre später in den Daten sichtbar werden. Somit treten markante Unterschiede erst ab etwa 2050 und später auf.

Abbildung: Mögliche Entwicklung der jährlichen Mitteltemperatur bis zum Ende des 21. Jahrhunderts. Ohne Anstrengungen im Klimaschutz befinden wir uns auf dem roten Pfad, der für die Region einen weiteren Temperaturanstieg um etwa 5 °C bedeutet. Mit ambitioniertem Klimaschutz schlagen wir den grünen Pfad ein, der die weitere Erwärmung langfristig auf etwa 1,5 °C begrenzt. (Quelle: ZAMG, 2021).  

Der Parameter Niederschlag ist generell mit hohen Schwankungen behaftet und wird auch von Klimamodellen nicht so gut wiedergegeben wie die Temperatur. Daher lassen sich für den Niederschlag im Allgemeinen weniger zuverlässige Aussagen treffen. In der nächsten Abbildung werden die Entwicklungen ausgewählter Niederschlagsparameter im Business-as-usual Szenario (RCP8.5) bis 2070 bzw. bis 2100 für die Region Stanzertal dargestellt.  

Im Mittel wird es zukünftig mehr Niederschlag geben, sowohl bis 2070 als auch darüber hinaus wird sich die Menge um etwa 5 % steigern. Auch die Niederschlagsintensität wird bis Mitte des Jahrhunderts (2041-2070) eine Zunahme um 4 % verzeichnen. Eine weitere Zunahme um 3 % wird bis Ende des Jahrhunderts (2071-2100) folgen. 

Besonders gravierend wird sich der maximale Tagesniederschlag verändern. Man rechnet mit einer Erhöhung von 10 % bis 2070 bzw. um eine weitere Zunahme von 8 % im 2071-2100. Das entspricht einer Erhöhung von 18 % bis Ende des Jahrhunderts. Diese sich intensivierenden Niederschläge können negative Folgen nach sich ziehen. Hangwässer, Bodenerosion und Überschwemmungen treten dann vermehrt auf.  

Die Anzahl der Niederschlagstage im Sommer wird sich nur gering verändern.  

Abbildung:  Zukünftige Niederschlagsentwicklung in der KLAR! Stanzertal in %; alle Werte innerhalb der natürlichen Schwankungsbreite (Quelle: ZAMG, 2021).  

Einen Überblick und zukünftige Klimaänderung in der Region finden sie hier.

Resultierende Klimarisiken

Auf Basis wissenschaftlicher Grundlagen, der Studie Klimaschutz und Anpassung in der Region Stanzertal, Chancen- und Risikoanalyse (Lotter et al. 2020) und den Ergebnissen eines partizipativen Prozesses wurden folgende regionsrelevante Klimafolgen identifiziert. 

Es wird mit einer Zunahme unterschiedlicher Naturgefahren gerechnet. Im Sommer ist mit einer Häufung von Starkregenereignissen zu rechnen, im Winter die Gefährdung durch Lawinen erhöht. Das Gebiet ist außerdem einer erhöhten Steinschlaggefahr ausgesetzt, die durch das Auftauen und die Degradation von Permafrost begünstigt wird. Bereits jetzt werden Verbauungen und Maßnahmen im Rahmen der Wildbach- und Lawinenverbauung getroffen, um dem Anstieg an Extremereignissen gerecht zu werden. Daraus resultieren höhere Kosten sowie vermehrte Einsätze von Ehrenamtlichen. 

Die Schutzwälder im Stanzertal werden zukünftig durch eine Zunahme an biotischen, z. B. Borkenkäfer, und abiotischen Schäden, z. B. Stürme, Waldbrände und Dürre, geschwächt werden. Ein technischer Ausgleich der Schutzfunktion ist dann notwendig, um beispielsweise neue Lawinenbahnen abzusichern. Gleichzeitig muss bei der Weiterentwicklung des Gefahrenzonenplans die veränderte Naturgefahrendisposition mitgedacht werden.  

Stabilisiert sich die Bevölkerungszahl oder wird wieder ein Ansteigen erreicht, wird aufgrund der Verkleinerung des Siedlungs- und Entwicklungsraumes durch die Aktualisierung der Gefahrenzonenpläne auch ein Umdenken bei der Nutzung des verfügbaren, für menschliche Aktivitäten geeigneten Raumes stattfinden. Die Bevölkerung, der Tourismus sowie die Gemeinden im Allgemeinen werden sich aufgrund der Zunahme von Naturgefahren auch erhöhten Kosten im Bereich Bauen und Wohnen gegenübergestellt sehen, da daraus zusätzliche bauliche Maßnahmen zum Schutz resultieren.  

Im Sommer könnte ein gering erhöhter Energiebedarf durch Kühlung anfallen, dem gegenüber wird aber der Heizbedarf im Winter stark sinken. Die Lage der Region wird auch in Zukunft zum großen Teil vor extremer Hitze und Tropennächte schützen, trotzdem kann durch die Ausbreitung von Krankheitserregern wie Borreliose die Gefährdung der Bevölkerung und der Gäste zunehmen. 

Der Wasserhaushalt der Region wird sich aufgrund von Verschiebungen der Saisonalität des Niederschlags verändern. Die Dauer der Schneedecke im Winter wird abnehmen, dafür ist im Frühjahr mehr Niederschlag zu erwarten. Auch die Sommer werden trockener, wenn auch nur geringfügig, mit einer allgemeinen Zunahme der Niederschlagsmenge. Diese Veränderungen können die Infrastrukturen des Stanzertals insofern beeinflussen, als dass zunehmende Starkniederschläge die Gefahr von Vermurungen, Unterspülungen etc. erhöhen und so die Verkehrswege beschädigen können.  

Der Tourismus als der wirtschaftliche Haupttreiber der Region könnte durch das Ansteigen der Schneefallgrenze vorerst noch profitieren, da Gäste aus tiefergelegeneren Gebieten in die Region reisen. Trotzdem wird sich die Schneedeckendauer und -dicke verringern, was die Intensivierung technischer Beschneiung notwendig macht (Achtung Fehlanpassung). Ein zusätzlicher Fokus auf Sommertourismus muss gleichzeitig den Erhalt der Kulturlandschaft, insbesondere der ursprünglich beweideten Hangflächen und Almen, fördern, um neben dem Wintertourismus das Angebot der Region zu diversifizieren. Durch die Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen und zusätzlich die klimawandelbedingte Verwaldung gehen Ökosysteme und Biodiversität verloren. 

Eine detaillierte Analyse des Klimawandels in der Region Stanzertal finden Sie hier:

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